Drehbuch schreiben: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anfänger
Ein Drehbuch zu schreiben ist ein Handwerk, das du lernen kannst – kein Talent, das man entweder hat oder nicht. Diese Anleitung führt dich der Reihe nach durch alle Phasen: aus einer Idee eine Logline formen, die Struktur aufbauen, deine Figuren kennenlernen, ein Szenen-Outline anlegen, die erste Fassung im richtigen Format schreiben, überarbeiten und brauchbares Feedback einholen. Wenn du den Schritten folgst, bringst du ein Drehbuch zu Ende – und damit schaffst du mehr als die meisten, die eines anfangen. Die Anleitung beschreibt den internationalen (US-amerikanischen) Drehbuchstandard, den die meisten Film- und Fernsehproduktionen und auch Kashna Script verwenden; in manchen Ländern gibt es zusätzlich eigene lokale Konventionen.
Aktualisiert im September 2026 · 8 Min. Lesezeit
1. Was ein Drehbuch ist
Ein Drehbuch ist der Bauplan eines Films. Man liest es nicht zum Vergnügen wie einen Roman; es wird von Leuten gelesen, die entscheiden müssen, ob der Film gemacht wird, und danach vom Team, das ihn drehen muss. Das verändert, wie du schreibst.
- Du schreibst nur, was man sehen und hören kann. Gedanken, Gefühle und Vorgeschichte müssen sich in Handlung oder Dialog zeigen.
- Du schreibst im Präsens. Die Geschichte passiert jetzt, auf der Leinwand.
- Du hältst dich an ein Standardformat. Eine formatierte Seite entspricht etwa einer Minute Filmzeit, deshalb hat ein Spielfilm meist irgendwo zwischen 90 und 120 Seiten. Wie lang ein Drehbuch für Film, Serie und Kurzfilm sein sollte, erfährst du unter Wie lang sollte ein Drehbuch sein?.
Wenn du noch nie ein Drehbuch gelesen hast, lies ein paar, bevor du selbst eines schreibst. Drehbücher produzierter Filme sind leicht zu finden, und beim Lesen lernst du Format und Tempo schneller als mit jedem Regelwerk.
2. Idee finden und Logline schreiben
Eine gute Idee für ein Drehbuch ist mehr als ein Schauplatz oder ein Thema. „Eine Geschichte über Trauer“ ist ein Thema. „Ein verwitweter Leuchtturmwärter findet ein gestrandetes Kind und hat eine Woche Zeit, es nach Hause zu bringen, bevor die Winterstürme die Insel abschneiden“ ist eine Geschichte. Sie hat eine Figur, ein Ziel, ein Hindernis und eine tickende Uhr.
Bevor du irgendetwas planst, verdichte deine Idee zu einer Logline: ein oder zwei Sätze, die sagen, um wen es geht, was diese Person will und was ihr im Weg steht. Wenn du die Logline nicht schreiben kannst, kennst du deine Geschichte wahrscheinlich noch nicht – und das findest du besser jetzt heraus als auf Seite 60. Unser Leitfaden zur Logline zeigt dir Schritt für Schritt, wie du eine schreibst.
Prüfe die Idee mit drei Fragen:
- Gibt es eine klare Hauptfigur, die etwas will?
- Gibt es echten Widerstand, etwas, das das Ziel schwer erreichbar macht?
- Muss es ein Film sein? Siehst du Schlüsselszenen vor dir, statt nur das Konzept zu erklären?
3. Die Struktur aufbauen
Struktur ist die Reihenfolge, in der sich deine Geschichte entfaltet. Die meisten Filme folgen, egal welches Genre, einer Variante der Drei-Akt-Struktur. Sie ist keine Formel, der du gehorchen musst, aber die Form, die Publikum und Leser erwarten – lerne sie also, bevor du sie brichst.
| Akt | Was passiert | Ungefährer Anteil am Drehbuch |
|---|---|---|
| Erster Akt: Exposition | Wir lernen die Hauptfigur und ihre Welt kennen. Etwas bringt diese Welt durcheinander, und am Ende des Akts verschreibt sich die Figur einem Ziel. | Etwa ein Viertel |
| Zweiter Akt: Konfrontation | Die Figur verfolgt ihr Ziel, und die Hindernisse wachsen. Etwa in der Mitte verschiebt sich, was auf dem Spiel steht. Der Akt endet am Tiefpunkt. | Etwa die Hälfte |
| Dritter Akt: Auflösung | Die finale Konfrontation. Die Figur hat Erfolg oder scheitert, und wir sehen, was sich verändert hat. | Etwa ein Viertel |
Lege zuerst eine Handvoll Ankerpunkte fest: das Eröffnungsbild, das Ereignis, das die Geschichte ins Rollen bringt, das Ende des ersten Akts, den Mittelpunkt, den Tiefpunkt und den Höhepunkt. Stehen diese, hat der Rest der Geschichte etwas, woran er sich festhalten kann. Der Leitfaden zur Drei-Akt-Struktur geht jeden dieser Punkte im Detail durch.
4. Deine Figuren kennen
Der Plot ist das, was passiert; die Figur ist der Grund, warum es zählt. Für deine Hauptfigur solltest du diese Fragen beantworten können, bevor du schreibst:
- Was will sie? Das äußere Ziel, das das Publikum sieht: den Prozess gewinnen, das Kind finden, von der Insel entkommen.
- Was braucht sie? Die innere Veränderung, zu der die Geschichte sie zwingt – oft etwas, wogegen sie sich wehrt.
- Wovor hat sie Angst, oder worin irrt sie sich? Genau daraus entsteht das Drama.
- Wie spricht sie? Wortschatz, Rhythmus, was sie lieber nicht ausspricht.
Schenke dem Antagonisten, also der wichtigsten Gegenkraft, dieselbe Aufmerksamkeit. Ein Gegenspieler, der sich im Recht glaubt, macht die Geschichte viel stärker als einer, der einfach nur böse ist. Halte das Ensemble schlank: Jede Figur mit Namen sollte ihren Platz verdienen.
5. Outline Szene für Szene
Ein Outline ist deine Geschichte als Liste von Szenen, jede in ein, zwei Zeilen zusammengefasst. Manche arbeiten mit Karteikarten, die sie auf dem Tisch hin- und herschieben können, andere mit einem Dokument oder einer Tabelle. Manche entdecken die Geschichte lieber beim Schreiben und planen kaum etwas vor. Beim ersten Drehbuch bewahrt dich ein Outline davor, dich in eine Sackgasse zu schreiben.
Notiere für jede Szene, wo sie spielt und was sich verändert. Wenn sich nichts verändert – wenn die Lage der Figur am Ende der Szene dieselbe ist wie am Anfang –, wird die Szene wahrscheinlich nicht gebraucht. Ein Spielfilm hat meist irgendwo zwischen 40 und rund 60 Szenen, wobei das je nach Genre und Stil stark schwankt.
6. Die erste Fassung schreiben
Jetzt schreibst du, im richtigen Drehbuchformat, von der ersten Szene bis FADE OUT. Das Ziel der ersten Fassung ist, sie fertigzustellen, nicht, dass sie gut ist. Halte nicht an, um eine Szene zu polieren, die du wahrscheinlich sowieso umschreibst. Setz dir ein gleichmäßiges Tempo, ein paar Seiten am Tag, und halte es durch.
Das Format zählt ab der ersten Seite, denn eine Leserin sieht es, bevor sie deine Geschichte sieht. Jede Szene beginnt mit einer Szenenüberschrift, die Szenenbeschreibung steht in kurzen Absätzen im Präsens, und der Dialog steht unter dem Namen der Figur. Der Leitfaden zum Drehbuchformat erklärt jedes Element samt Rändern.
Achte darauf, was die Szenenbeschreibung leistet: Sie zeigt das Wrack und lässt das Publikum verstehen. Sie erklärt nicht, was das Mädchen fühlt. Zum Vergleich:
Diese Version erzählt uns Dinge, die wir nicht sehen können, packt Vorgeschichte in die Szenenbeschreibung und führt die Kamera. Zeig das Verhalten; den Rest machen Schauspieler und Regie.
In Kashna Script erledigt sich das Format beim Tippen von selbst. Szenenüberschriften, Figurennamen, Dialoge, Klammeranweisungen und Übergänge landen ohne Menüs an der richtigen Stelle, sodass es in deiner ersten Fassung nur um die Geschichte geht. Trag dich für den frühen Zugang ein.
7. Überarbeiten
Schreiben heißt Umschreiben. Wenn die Fassung fertig ist, leg sie mindestens ein paar Tage weg, damit du sie mit frischem Blick lesen kannst. Lies sie dann in einem Zug durch, so wie ein Leser es tun würde, und mach dir Notizen, bevor du irgendetwas änderst.
Arbeite dich von den größten Problemen zu den kleinsten vor. Es hat keinen Sinn, den Dialog einer Szene zu polieren, die du ohnehin streichst.
- Geschichte: Ist das Ziel früh klar? Steigt der Einsatz? Löst das Ende ein, was der Anfang verspricht?
- Figur: Verändert sich die Hauptfigur, oder hat sie einen klaren Grund, es nicht zu tun? Treiben ihre Entscheidungen die Handlung voran?
- Szenen: Verändert jede Szene etwas? Kann eine Szene später beginnen oder früher enden?
- Dialog: Lies ihn laut vor. Streiche Sätze, die erklären, was das Publikum schon weiß.
- Feinschliff: Straffe die Szenenbeschreibungen, prüfe Format, Rechtschreibung und einheitliche Namen für Figuren und Schauplätze.
Die meisten Drehbücher gehen durch mehrere Fassungen, bevor sie bereit sind für Leute außerhalb deines engsten Kreises. Speichere jede Fassung separat, damit du zurückgehen kannst, wenn eine Änderung nicht funktioniert.
8. Feedback einholen
Du kannst dein eigenes Drehbuch nicht klar sehen; das kann niemand. Sobald du mindestens einmal überarbeitet hast, hol dir Leser von außen.
- Such dir Leute, die Drehbücher lesen. Andere Drehbuchautorinnen oder eine Schreibgruppe geben dir brauchbarere Rückmeldungen als Freunde, die die Form nicht kennen.
- Stell konkrete Fragen. Wo hast du dich gelangweilt? Wer war dir wichtig? Was hat dich verwirrt?
- Achte auf Muster. Die Meinung eines einzelnen Lesers ist ein Datenpunkt. Wenn drei Leser an derselben Szene hängen bleiben, hat diese Szene ein Problem – auch wenn ihre Lösungsvorschläge auseinandergehen.
- Diskutiere nicht und erkläre nichts. Wenn du etwas erklären musst, steht es noch nicht auf der Seite. Hör zu, mach Notizen und entscheide später.
Dann überarbeite erneut. Eine Leseprobe, bei der Leute die Rollen laut vorlesen, ist eine der besten Methoden, um zu hören, was funktioniert, bevor du das Drehbuch verschickst.
9. Häufige Fragen
Wie fange ich an, ein Drehbuch zu schreiben?
Beginne mit einer Logline in einem Satz, die deine Hauptfigur, ihr Ziel und das Hindernis nennt. Plane dann die wichtigsten Wendepunkte der Struktur, lege ein Szenen-Outline an und schreib die erste Fassung im Standard-Drehbuchformat.
Wie lange dauert es, ein Drehbuch zu schreiben?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche schaffen eine erste Fassung in wenigen Wochen, andere brauchen Monate, und das Überarbeiten dauert meist länger als die erste Fassung. Was die meisten ans Ziel bringt, ist ein festes tägliches Seitenziel.
Kann ich ohne Erfahrung ein Drehbuch schreiben?
Ja. Lies produzierte Drehbücher, lerne das Standardformat und schreib einen Kurzfilm oder einen Spielfilm auf Basis eines klaren Outlines. Jeder Drehbuchautor hat mit einem ersten Drehbuch angefangen.
Wie viele Seiten sollte mein erstes Drehbuch haben?
Ein Spielfilmdrehbuch hat meist etwa 90 bis 120 Seiten, und bei einem Spec Script bevorzugen viele Leser das untere Ende. Ein Kurzfilm kann zwischen ein paar Seiten und etwa 30 Seiten lang sein.
Brauche ich ein spezielles Programm, um ein Drehbuch zu schreiben?
Du brauchst etwas, das das Standard-Drehbuchformat erzeugt. Spezielle Drehbuchsoftware kümmert sich für dich um Ränder und Elemente, was viel schneller geht, als in einem Textverarbeitungsprogramm von Hand zu formatieren.
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