Drehbuch formatieren: So geht's richtig
Ein Drehbuch ist ebenso ein technisches wie ein kreatives Dokument. Lektorinnen, Produzenten und Schauspieler erwarten, dass jede Seite gleich aussieht – damit sie sich nur noch auf die Geschichte konzentrieren müssen. Dieser Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch das Standardformat für Drehbücher, Element für Element, mit einer echten Beispielseite. Er beschreibt den internationalen (US-amerikanischen) Drehbuchstandard, den die meisten Film- und Fernsehproduktionen und auch Kashna Script verwenden; in manchen Ländern gibt es zusätzlich eigene lokale Konventionen.
Aktualisiert im September 2026 · 9 Min. Lesezeit
1. Die Seite
Alles am Drehbuchformat geht auf eine einzige Idee zurück: Eine Seite entspricht ungefähr einer Minute Filmzeit. Diese Regel funktioniert nur, wenn alle Autorinnen und Autoren dieselbe Seite, dieselbe Schrift und dieselben Ränder verwenden. Das sind die Standardwerte für ein Drehbuch im US-Format:
| Einstellung | Standard |
|---|---|
| Papier | US Letter, 8,5 × 11 in (21,6 × 27,9 cm); außerhalb der USA ist A4 üblich |
| Schrift | Courier oder eine Courier-ähnliche Schrift in 12 Punkt |
| Linker Rand | 1,5 in (3,8 cm); der zusätzliche halbe Zoll lässt Platz für die Bindung |
| Rechter, oberer und unterer Rand | Etwa 1 in (2,5 cm) |
| Zeilenabstand | Einzeilig, mit einer Leerzeile zwischen den Elementen |
| Seitenzahlen | Oben rechts, ab Seite 2, gefolgt von einem Punkt |
Warum Courier? In Courier ist jeder Buchstabe exakt gleich breit. Dadurch nimmt eine Seite Dialog genauso wie eine Seite Szenenbeschreibung vorhersehbar viel Platz ein – und genau deshalb funktioniert die Faustregel „eine Seite pro Minute“.
2. Eine Beispielseite
Hier siehst du eine kurze Szene in originalgetreuen Proportionen. Die Beschriftungen zeigen, zu welchem Element jede Zeile gehört.
Verkleinerte US-Letter-Seite, linker Rand 1,5 in (3,8 cm), Courier 12 pt.
3. Szenenüberschriften
Die Szenenüberschrift (auch Slugline genannt) sagt dem Leser, wo und wann die Szene spielt. Sie steht in Großbuchstaben und besteht aus drei Teilen:
- Innen oder außen:
INT.für innen,EXT.für außen,INT./EXT., wenn die Szene zwischen beidem wechselt, etwa in einem fahrenden Auto. - Schauplatz: so genau, wie die Geschichte es verlangt.
KITCHENoderMARIA'S APARTMENT - KITCHEN. - Tageszeit: meist einfach
DAYoderNIGHT. VerwendeCONTINUOUS, wenn eine Szene nahtlos in die nächste übergeht, undLATER, wenn am selben Ort Zeit vergangen ist.
Eine neue Szenenüberschrift bedeutet eine neue Szene. Jedes Mal, wenn sich Ort oder Zeit ändern, schreibst du eine neue.
4. Szenenbeschreibung
Die Szenenbeschreibung (im Englischen „Action“) schildert, was wir sehen und hören. Sie läuft über die volle Seitenbreite, vom linken bis zum rechten Rand, und steht immer im Präsens.
- Schreib nur, was auf der Leinwand zu sehen oder zu hören ist. „Sie ist traurig“ lässt sich nicht filmen; „Sie starrt auf das Telefon und geht nicht ran“ schon.
- Halte die Absätze kurz, höchstens drei oder vier Zeilen. Weißraum macht ein Drehbuch schnell lesbar.
- Schreib den Namen einer Figur beim ersten Auftritt in Großbuchstaben, meist mit Altersangabe:
LUCIANNO (37). Danach schreibst du ihn ganz normal.
5. Figurennamen
Vor jedem Dialog steht der Name der sprechenden Figur in Großbuchstaben, etwa 3,7 in (9,4 cm) vom linken Seitenrand eingerückt, also rund 2,2 in (5,6 cm) hinter dem linken Rand. Behalte den Namen im ganzen Drehbuch bei: Wenn sie auf Seite 1 ANNA heißt, sollte sie auf Seite 40 nicht plötzlich DR. HOLT sein.
6. Dialog
Der Dialog steht in einer schmaleren Spalte unter dem Figurennamen, beginnt etwa 2,5 in (6,4 cm) vom linken Seitenrand und ist ungefähr 3 bis 3,5 in (7,6 bis 8,9 cm) breit. Diese schmale Spalte ist Absicht: Das Auge gleitet schnell darüber, und das Timing bleibt nah an echter Sprache.
Schreib Dialoge so, wie Menschen wirklich reden – mit Unterbrechungen, halben Sätzen und Pausen –, aber halte jede Replik so kurz, dass sie in ein, zwei Atemzügen gesprochen werden kann.
Kashna Script erledigt all das, während du tippst. Tipp einen Figurennamen in Kleinbuchstaben, und er wird zum großgeschriebenen Figurennamen an genau der richtigen Stelle; die nächste Zeile wird zum Dialog in ihrer eigenen Spalte. Keine Menüs, keine Suche nach der Tab-Taste. Trag dich für den frühen Zugang ein.
7. Regieanweisungen in Klammern
Eine Regieanweisung in Klammern (englisch „Parenthetical“) ist ein kurzer Hinweis innerhalb des Dialogblocks, kleingeschrieben und in Klammern, in einer eigenen Zeile unter dem Figurennamen. Setze sie nur ein, wenn die Zeile ohne sie falsch verstanden würde:
Nutze Klammeranweisungen nicht, um jede Zeile vorzuschreiben. Schauspieler und Regisseurinnen lassen sich ungern sagen, wie sie etwas sprechen sollen. Ist eine Anweisung länger als ein paar Wörter, gehört sie in die Szenenbeschreibung.
8. V.O., O.S. und CONT'D
Diese Zusätze stehen in Klammern direkt hinter dem Figurennamen:
| Zusatz | Bedeutung |
|---|---|
| (O.S.) Off Screen | Die Figur ist in der Szene, aber wir sehen sie nicht. Sie ruft zum Beispiel aus dem Nebenzimmer. |
| (V.O.) Voice-over | Die Stimme gehört gar nicht zur Szene: Erzählerstimme, das andere Ende eines Telefonats, die Gedanken einer Figur. |
| (CONT'D) Continued | Dieselbe Figur spricht weiter, nachdem eine Zeile Szenenbeschreibung ihre Rede unterbrochen hat. |
Manche Autoren schreiben (O.C.), Off Camera, statt (O.S.). Das bedeutet dasselbe. Entscheide dich für eine Variante und bleib dabei.
9. Übergänge
Übergänge zeigen dem Leser, wie eine Szene in die nächste übergeht. Sie stehen in Großbuchstaben, enden mit einem Doppelpunkt und sind rechtsbündig: CUT TO:, DISSOLVE TO:, SMASH CUT TO:, MATCH CUT TO:.
Moderne Drehbücher setzen sie sparsam ein. Eine neue Szenenüberschrift impliziert bereits einen Schnitt; schreib einen Übergang also nur, wenn die Art des Szenenwechsels für die Geschichte wichtig ist. Zwei Ausnahmen stehen für sich: Ein Drehbuch beginnt mit FADE IN: am linken Rand und endet mit FADE OUT. am rechten.
10. Häufige Fehler
- Kameraanweisungen. „Wir sehen“, „Nahaufnahme von“ und „Schwenk auf“ sind Sache der Regie. Beschreib den Moment, statt ihn zu inszenieren.
- Szenennummern im Spec-Drehbuch. Sie kommen erst später dazu, in der Drehfassung.
- Lange Blöcke Szenenbeschreibung. Alles über vier Zeilen sollte aufgeteilt werden.
- Falsche Schrift oder falsche Ränder. Ein Drehbuch in Times New Roman fällt schon auf der ersten Seite auf.
- Wechselnde Figurennamen. Eine Figur, ein Name.
- Ein Figurenname unten auf der Seite, während der Dialog erst auf der nächsten folgt. Drehbuchsoftware schiebt den Namen automatisch nach unten; bei von Hand formatierten Drehbüchern wird das oft übersehen.
11. Häufig gestellte Fragen
Welche Schriftart verwendet man für ein Drehbuch?
Eine nichtproportionale Courier-Schrift in 12 Punkt: Courier, Courier New, Courier Prime oder Courier Final Draft. Weil jeder Buchstabe gleich breit ist, bleibt die Regel „eine Seite pro Minute“ ungefähr gültig.
Wie viele Seiten hat ein Drehbuch?
Die meisten Spielfilm-Drehbücher haben 90 bis 120 Seiten. Einstündige TV-Dramen haben meist 50 bis 65 Seiten. Halbstündige Single-Camera-Comedys kommen auf etwa 25 bis 35 Seiten; Multi-Camera-Sitcoms sind länger, weil ihr Dialog mit doppeltem Zeilenabstand gesetzt wird.
Muss ich die Szenen im Drehbuch nummerieren?
Nicht in einem Spec-Drehbuch. Szenennummern kommen erst in der Drehfassung dazu, sobald das Projekt in Produktion geht.
Was ist der Unterschied zwischen V.O. und O.S.?
O.S. bedeutet, dass die Figur körperlich in der Szene ist, aber nicht zu sehen – etwa im Nebenzimmer. V.O. bedeutet, dass die Stimme gar nicht zur Szene gehört: Erzählerstimme, eine Aufnahme oder die Gedanken einer Figur.
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